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Archäologischer Tourismus

Seit jeher haben sich die Menschen für die Geschichte interessiert. Während sich dieses Interesse bei Einigen auf ihren Familienstammbaum beschränkt, so sind doch die Völker insgesamt bestrebt, das Geheimnis ihrer Entstehung zu lüften, ihrer alten Geschichte. Die Armenier stellen dabei keine Ausnahme dar.

 Karabach war seit Urzeiten besiedelt. Davon zeugen nicht nur die Baudenkmäler, sondern auch Spuren verschiedener Kulturen und Stämmen, aus denen sich später das armenische Volk herausbildete. Arzach bietet im wahrsten Sinne des Wortes die Möglichkeit, mit den historischen Wurzeln des armenischen Volkes in Berührung zu kommen.

 In vielen Orten Karabachs sind in den Sommermonaten archäologische Expeditionen aktiv, die auch Gästen anbieten mitzumachen und dabei zu sein, wenn die alte Erde von Arzach ihre vielen wohlbehüteten Geheimnisse preisgibt.

 Man lenkt die Aufmerksamkeit der Touristen dabei auf diejenigen archälogischen Fundstellen, die nicht nur für die Wissenschaftler interessant sind. Tigranakert ist zum Beispiel ein solcher historischer Ort. Gegründet wurde dieses Denkmal im Zeitalter des Hellenismus (im 1. Jahrhundert v.u.Z.) vom armenischen König Tigran dem Großen (95-55 v.u.Z) ca. 36 km entfernt von Stepanakert. Obwohl hier erst seit wenigen Jahren archäologische Ausgrabungen stattfinden, hat man hier schon Teile einer Festungswand freigelegt, einen Wachturm, Terrassen in der Zitadelle, ein Stück eines städtischen Wasserversorgungskanals der in den Fels geschlagen worden war, u.v.a.m. Schon heute kann man deshalb sagen, dass Tigranakert zu seiner Zeit (die Stadt existierte auch im Mittelalter noch) ein sehr belebter und prächtig gedeihender Ort war, der eine tragende Rolle im Leben der ganzen Region spielte. Die Besucher können hier aber nicht nur dieses Pompeji von Karabach sehen und dort herumspazieren, sondern auch eine frühchristliche Basilika besichtigen, die unweit von Tigranakert entdeckt wurde. Einige Kilometer entfernt befindet sich auch eine Grabstätte und in einer Höhle ein heidnischer Tempel, der später als Kirche ausgebaut wurde (diese wurde im 1. Jahrhundert errichtet und ist eine der ältesten Kirchen in der Welt). Nicht weit von Tigranakert liegt auch ein sehr gut erhaltenes Schloss aus dem 18. Jahrhundert – Schachbulach, ebenso wie ein Gasthof und eine auf der Spitze des Berges Vankasar hoch über Tigranakert schwebende Basilika des 6.-7. Jahrhunderts. All diese Kulturdenkmäler wurden zum Museumskomplex „Tigranakert“ zusammengefasst.

 Die nächste, noch interessantere Ausgrabungsstätte ist die Höhle von Azokh, etwa 50 km von Stepanakert entfernt, die wir Ihnen aufs Wärmste empfehlen. Sie liegt direkt an der gleichnamigen Ortschaft, erreichbar über die Nord-Süd-Autobahn. Die Höhle ist einer der ältesten in der Welt bekannten Siedlungsorte der Urmenschen. Diese Stätte hat mehrere Eingänge und Ausgänge, sechs labyrinthartige Säle, wovon der größte über 3.000 qm groß ist. In der sogenannten Acheulische Kulturschicht wurden bei den Ausgrabungen Steinwerkzeuge gefunden, die 300 Tausend Jahre alt sind, außerdem wurden Reste der Pflanzen- und Tierwelt und Spuren von Kunstwerken der Urmenschen aus der gleichen Zeit freigelegt. Am Südeingang der Höhle haben die Archäologen in sieben Metern Tiefe ein großes Stück eines Unterkiefers ausgegraben, der einem Neanderthaler-Urmenschen aus der Steinzeit gehört hat. Bis dahin waren solche Überreste der Nanderthaler  in vier Regionen gefunden worden: in Sidi-Abd Eragman (Marokko), in Steinheim (Deutschland), Spanocombe (England) und Sediadelle Diabolon (Italien). Der hiesige Fund hat eine große Bedeutung für die Wissenschaft, zeugt er doch davon, dass das Gebiet von Karabach seit Urzeiten besiedelt war. Der Unterkiefer des Neanderthaler aus der Azokh-Höhle hat in der wissenschaftlichen Literatur die Nummer 5 erhalten. Jetzt wird in die Höhle elektrisches Licht gelegt und ein kleiner Besucherweg ausgebaut, so dass (auch vor dem Eingang der Höhle) recht bald gute Bedingungen auch für Touristen herrschen.

 Die „Schatzhöhle“ hat uns längst noch nicht all ihre Geheimnisse eröffnet. Diese bedeutende Siedlungsstätte des Urmenschen hat eine Jahrtausende alte Tradition, und seit 2003 werden hier regelmäßig Forschungsarbeiten durchgeführt von einer armenisch-englisch-spanischen archäologischen Expeditionsgruppe.

 Ein anderes genau so wunderbarer Zeuge der alten Geschichte des armenischen Volkes sind, das darf man so sagen, die Grabhügel aus dem 1. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung, die von Archäologen in der Nähe der Festung Shoushi – diesem Juwel Karabachs – ausgegraben wurden. Und nicht weit von Shoushi befinden sich noch die Festungen Karkar und Shosh, wo ebenfalls Ausgrabungen laufen. Es haben jetzt alle Interessierten die Möglichkeit, den Atem der Geschichte zu verspüren und dabei zu sein, wenn sich der Vorhang langsam hebt, der lange Zeit die Geheimnisse der protoarmenischen Stämme verbarg.