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Religiöser Tourismus

Wallfahrten waren schon immer einer der Hauptbeweggründe, warum Menschen reisen. Viele Pilger aus Europa machten sich auf den gefährlichen und entbehrungsreichen Pilgerweg nach Jerusalem oder zu anderen heiligen Orten, um sich dort vor den Heiligtümern zu verneigen, um Heilung zu erfahren oder dem Herrgott zu danken. Eine große Zahl von Wallfahrern und Pilgern kehrte nicht in ihre Heimat zurück, weil sie Wegelagerern, Krankheiten oder Hungersnöten zum Opfer fielen. Das hat die Gläubigen jedoch nie abgeschreckt, im Gegenteil – man verehrte einen solchen Märtyrertod auf dem Pilgerweg.

 In der modernen Welt stehen Wallfahrern solche Gefahren und Schwierigkeiten wie in den alten Zeiten nicht mehr im Weg. Auch nehmen die Wege zu den heiligen Stätten weniger Zeit in Anspruch. Dadurch wird der religiöse Tourismus allseits weiter entwickelt.

 Karabach schätzt man seit Menschengedenken nicht nur in Armenien, sondern im gesamten Südkaukasus, als Hochburg des Christentums. Schon im 1. Jahrhundert v.u.Z. drang das Christentum bis hierher. Sogar in der Sowjetzeit wahrte man in Arzach die nationalen Heiligtümer – Kirchen, Klöster und Kapellen.

 Hauptwallfahrtsorte in Karabach sind das Kloster Gandzasar, wo eine für die gesamte christliche Welt wichtige Reliquie begraben ist – das Haupt Johannes´ des Täufers -, das Kloster Dadivank, errichtet um das Grab eines der Schüler von Apostel Thaddäus – Apostel Dado, sowie die Klöster Amaras und Yeghishe Arakyala, die an den Grabstätten von Grigoris, dem Enkel von Gregor dem Erleuchter, und von Apostel Yeghishe (Elisha) gegründet wurden. Im Kloster Amaras sind ebenso die Gebeine des Heiligen Zacharius und des Heiligen Pantholomäus begraben. Nach der Legende kamen hierher kinderlose Paare, nahmen eine Handvoll Erde mit und erwarteten dann Nachwuchs. Ausführlichere Informationen über die Heiligen kann man der Webseite über die Heiligen der Christlichen Kirche in Karabach entnehmen. Jedes Jahr kommen nach Karabach viele Wallfahrer, die sich vor solchen christlichen Reliquien wie dem Haupt von Johannes dem Täufer oder den Gebeinen des Heiligen Zacharius und des Heiligen Pantholomäus verneigen.

 Neben den Hauptwallfahrtsorten Gandzasar, Dadivank und Amaras, die man von der Hauptstadt der NKR Stepanakert aus über die Nord-Süd-Autobahn erreicht, gibt es viele heilige Orte in diversen Regionen von Arzach. Oft ist der Weg zu diesen heiligen Orten mühsam, manche kann man nur zu Fuß oder zu Pferde erreichen. Aber das ist für viele Pilgerer kein Hindernis, die von verschiedenen bewohnten Ortschaften dorthin pilgern. Dazu gehören Dizapayt, Spitak Khatch (das Weiße Kreuz) im Bezirk Hadrut, die St. Yegishe-Kirche in der Ortschaft Chartar (Bezirk Martouni), die St. Georg-Kirche in der Orstachft Ulubag (Bezirk Askeran), das Elisha-Kloster im Bezirk Martakert u.a. Viele dieser Gotteshäuser und Kirchen sind in abgelegenen jungfräulichen Wäldern und befinden sich über den Grabstätten der entsprechenden Heiligen und Märtyrer. Man nimmt an, dass sie heilende Wirkung haben von alters her (so z.B. Spitak Khatch in Hadrut mit seinem Grabstein in der St. Georg-Kirche und einer Öffnung, durch die sich Frauen, die unfruchtbar sind, zur Heilung davon durchzwängen).

 Auch nicht religiöse Menschen werden sich nicht benachteiligt fühlen, wenn sie diese Orte besuchen. Denn hier können sie nicht nur diese herrlichen Sagralbauten der alten Architektur sehen, sondern sie können als Touristen auch an den Gottesciensten teilnehmen und dadurch einen tieferen Einblick in die ausgeprägte und sehr alte Kultur und den Glauben der lokalen Bevölkerung bekommen. Allein die gesungenen Psalme (Sharakane), die im 11. Jahrhundert vom Katholikos Nerses Shnorhali geschrieben und gesammelt wurden! Sie gelten als Juwel der armenischen mittelalterlichen Dichtung.

 Neben den christlichen Heiligtümern werden auch die wenigen Zeugnisse der islamischen (persischen, seldschukischen) Kultur – Moscheen, Mausoleen und Grabstätten – in Arzach sorgfältig bewahrt. Sie ziehen nicht nur moslemische Pilgerer an, sondern auch Touristen, die Anhänger anderer Religionen sind.